Filmkritik „Die Tribute von Panem“

Neuzugang in der Videothek: „Die Tribute von Panem“

Ohne die Bücher gelesen zu haben, habe ich mich an diesen Film herangewagt, da sich die Story sehr interessant anhört:
Das Land Panem, irgendwann in der Zukunft, aufgeteilt in zwölf Distrikte, in denen die Menschen wie Gefangene leben und durch harte Arbeit für den Wohlstand ihrer Beherrscher sorgen, während diese, die futuristische Stadt Kapitol bewohnen.
Und als wenn dies nicht schon schlimm genug wäre, werden einmal im Jahr zwei junge Personen in jedem Distrikte ausgewählt, welche in einem medienwirksamen TV-Spektakel, kämpferisch gegeneinander antreten, den sogenannten „Hungerspielen“, um damit die vom Luxus übersättigten Massen in Kapitol zu belustigen. Da am Ende nur einer der Teilnehmer übrig bleiben darf, werden diese Kämpfe bis zum Tod ausgetragen.
So weit meine Informationen. Am Anfang des Filmes bekommt der Zuschauer dann erst einmal einen Einblick in das Leben der Distriktbewohner. Es wird deutlich, dass man sich der Obrigkeit zu fügen hat und das Nahrung Mangelware darstellt.
Und damit fing das Disaster für mich als Zuschauer bereits an. Die widrigen Lebensumstände und das an Einfachheit und Armut kaum zu übertreffende Leben der dortigen Bewohner, sieht man nämlich niemandem an. Die Menschen scheinen gesund, wohlgenährt und vernünftig gekleidet. Sicher, die Mode und die Frisuren der Frauen, erinnern stark an das Nachkriegsdeutschland der 50 er Jahre, was vermutlich beabsichtigt ist, aber das allein reicht mir natürlich nicht aus, um irgendwelches Mitgefühl zu entwickeln und lässt daher alles unglaubwürdig erscheinen. Und überhaupt, die schauspielerischen Qualitäten der Darsteller und die Machart der Produktion, erinnerte mich an eine dieser B-TV-Serien á la Sindbad und Xenia, die ich mir freiwillig nicht antun würde. Das Ganze wird dann auch nicht besser, als im Film die Auswahl für die Spiele beginnt, welche eine Bewohnerin aus Kapitol, öffentlich auf einer Bühne durchführt.
Platte, gekünstelt wirkende Dialoge, machten einfach keine Lust auf mehr.
Aber ich gab dem Film noch eine Chance, weil ich mir dachte, jetzt kann es nur noch besser werden.
Die 24 „Ausgewählten“ werden dann in einem Zug der Extraklasse nach Kapitol verfrachtet, wo sie zunächst in einem für sie nie gekannten Luxus leben dürfen, bevor man sie aufeinander hetzt. Die Bilder der Stadt sind auf jeden Fall sehr nett gemacht und haben mich etwas für meine Tapferkeit entschädigt. Auch die Hauptdarstellerin ist an dieser Stelle lobend zu erwähnen und hat bestimmt eine große Kariere vor sich, vorausgesetzt, dass sie bald auch in richtig guten Filmen mitspielen darf. Ohne ihr Zutun jedenfalls, hätte ich den Fernseher wohl schon längst abgeschaltet. Nun zu den Kapitol-Bewohnern: Ich würde sie gern als grotesk und bizarr bezeichnen, denn es wurde sich sehr bemüht, sie so wirken zu lassen, was vermutlich dem Buch entspricht. Und ich denke, es sollte von der Idee her an Filme angelehnt werden, wie z. B. „Running Man“ mit Herrn Schwarzenegger oder „Robocop“.
ABER: Eine Schar durchgeknallter Mozarts und ein Fernsehmoderator mit blauer Perrücke, haben mir persönlich nicht ausgereicht, um ein illustres Gefühl zu entwickeln, das ich beispielsweise empfinde, wenn ich einen Tim Burton – Film anschaue. Dann begannen die Spiele und es wurde endlich zum ersten Mal ein wenig spannend im Geschehen. Kurzzeitig fieberte ich mit der Heldin mit. Allerdings passten die dann folgenden brutalen Szenen, in denen sich die jugendlichen gegenseitig abmetzelten, so gar nicht in das bisher sehr harmlose Filmchen. Zwar konnte ich mir kurz vorstellen, wie dramatisch es vermutlich in den Bücher zugeht, hier aber waren diese Darbietungen einfach too much. Als hätte man die ganze Zeit „Eine bezaubernde Jeannie“ geschaut und plötzlich wird Major Nelson enthaupted.
Es passte irgendwie nicht so richtig.
Die Spannung hatte sich dann leider auch bald wieder erledigt, weil die Liebesbeziehung, die sich zwischen der Heldin und ihrem Distriktpartner entwickelte, wieder unter aller Kanone war und bei mir eher Brechreiz auslöste, als denn romantische Gefühlsregungen.
Die Vermutung liegt für mich sehr nahe, dass die Zielgruppe des Films gaaaaanz junge Leute sind, weil es sich bei den Büchern ja eigentlich um Jugendliteratur handelt. Also ähnlich wie bei „Twilight“, ein Film, gemacht für Teenager und frustrierte Ehefrauen. Schade dennoch, dass dieses interessante, gesellschaftskritische Thema so schlecht umgesetzt wurde, denn ich denke, auch jungen Leuten kann man gern etwas Anspruch servieren.
Bei Harrry Potter hat es schließlich auch geklappt.
Mein Fazit:
Wäre ich für diesen Film ins Kino gegangen, hätte ich nicht nur mein Eintrittsgeld zurück verlangt, sondern als Entschädigung auch eine Gratistonne Popcorn – mindestens!!!

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